Pressearchiv 2006
Kräftiges Wachstum im Hamburger Mittelstand
Hamburg, 4. Mai 2006 - Der Mittelstand im Großraum Hamburg wächst deutlich stärker als im übrigen Bundesgebiet: Größere mittelständische Unternehmen (Jahresumsatz von 2,5 bis 50 Mio. Euro) legten in 2005 um 3,9 Prozent zu - dreimal mehr als der Bundesschnitt. Wachstumstreiber sind vor allem große Dienstleistungsunternehmen in den Innenstadt nahen Bezirken. Unternehmen im Hamburger Stadtgebiet wachsen stärker als im Speckgürtel. Achillesferse der Hamburger Wirtschaft bleibt der geringe Anteil produzierender und verarbeitender Unternehmen. Dies zeigt die Studie "Kompass Wachsende Stadt" der Hamburger Sparkasse. Den Kern der Studie bildet der Haspa-Mittelstandsindex, in dem das Umsatzwachstum, die Auftragslage sowie die Bonität der Unternehmen zusammengefasst sind.
Rund vier Fünftel aller Stadtteile im Großraum Hamburg erreichten im Haspa-Mittelstandsindex gute bis sehr gute Werte. Der Mittelstand entwickelte sich demnach in Hamburg flächendeckend positiv und signifikant besser als der Bundesschnitt. Hamburg profitiert zum einen in hohem Maße vom Aufschwung der Weltwirtschaft und von der Expansion des Welthandels, zum anderen kommen Synergieeffekte zum Tragen durch die regen Austauschbeziehungen zwischen Hamburg und dem Umland.
Das sehr gute Wachstum der größeren mittelständischen Unternehmen in der Hansestadt lässt erwarten, dass der Aufschwung in naher Zukunft auch bei mittleren und kleineren Mittelständlern stärker durchschlägt und zu weiter steigenden Wachstumsraten führt.
Der größere Mittelstand übernimmt damit eine Leitfunktion. "Gründe hierfür liegen in der stärkeren Finanzkraft der größeren Unternehmen, die weitaus mehr in erfolgskritische Bereiche, wie zum Beispiel Marketing, Vertrieb, Innovationen und in die Entwicklung von Auslandsmärkten investieren", sagt Jörg Wohlers, Firmenkundenvorstand der Haspa. "Demzufolge profitieren größere Unternehmen schneller vom Aufschwung als kleine".
Dennoch können auch mittlere Mittelständler (Jahresumsatz von 1,0 bis 2,5 Mio. Euro) in Hamburg eine gute Bilanz vorweisen: Sie glänzen mit einem guten Wachstum von rund 2 Prozent, während im Bundesgebiet noch Rückgänge von 2,2 Prozent zu verzeichnen sind.
| Wachstum des Mittelstands in Hamburg | ||
| Jahresumsatz 25,0 bis 50,0 Mio. Euro | +4,4% | |
| Jahresumsatz 5,0 bis 25,0 Mio. Euro | +4,3% | |
| Jahresumsatz 2,5 bis 5,0 Mio. Euro | +2,2% | |
Wachstumsmotor in Hamburg ist die Dienstleistungsbranche, der rund 80 Prozent aller mittelständischen Unternehmen in der Hansestadt angehören. Industrieunternehmen und das Verarbeitende Gewerbe konnten diesem Trend nicht folgen und blieben in der Masse hinter den Wachstumsraten der Dienstleistungsbranche zurück.
Der Erfolg der Dienstleistungsunternehmen in Hamburg ist jedoch nur eine Seite der Medaille. Auf der andere Seite zeigt sich ein wirtschaftliches Dilemma: Ohne eine starke Industrie und ein wachstumskräftiges Gewerbe entstehen kaum reale Werte wie Konsumgüter. Lediglich der Maschinenbau und die Elektrotechnik erweisen sich als starke Branchen: Größere Unternehmen erreichten in diesem Segment im Jahr 2005 ein durchschnittliches Wachstum von 6,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies könnte zukünftig weitere Industrieunternehmen ermutigen, sich in der Metropolregion Hamburg anzusiedeln und so die Hansestadt auch als Standort für Industrie und Gewerbe stärken.
| Stärkste Wachstumsbranchen in Hamburg (in 2005, Unternehmensgröße 2,5 - 50 Mio. ) | ||
| IT-/Telekommunikationsservices | +10,0% | |
| Maschinenbau & Elektrotechnik | +6,9% | |
| Finanzdienstleistungen | +6,0% | |
| Allgemeine Infrastruktur | +5,5% | |
| Tourismus, Freizeit, Sport, Kultur | +4,0% | |
Der Hamburger Mittelstand wächst am stärksten im Stadtkern: Westlich der Alster und im Hamburger Osten gelingt den mittelständischen Unternehmen das stärkste Wachstum. Ähnlich erfolgreich ist der Mittelstand in Wandsbek, wo 20,2 Prozent aller mittelständischen Unternehmen der Hansestadt angesiedelt sind. Vor allem Handelsfirmen, Druckereien, Verlage, Rundfunk- und Filmunternehmen sind hier zu Hause.
Die Wachstums-Spitzenreiter des Mittelstands residieren jedoch im Stadtkern westlich und nördlich der Alster: Informations- und Telekommunikationsservices, Finanzdienstleistung und Anbieter allgemeiner Infrastruktur.
Neben dem insgesamt soliden Wachstum sorgt das - im Vergleich zum Umland - geringere Ausfallrisiko der Unternehmen für eine robuste Struktur des Hamburger Mittelstands. Vor allem größere Mittelständler im Norden und Nordosten der Stadt haben eine hervorragende Bonität.
"Entscheidend wird sein, ob es in Hamburg gelingt, starke Glieder vertikaler Wertschöpfungsketten anzusiedeln", so Professor Thomas Straubhaar, Leiter des HWWI. "Mit dem starken Standbein unternehmensbezogener Dienstleistungen ist eine gute Grundlage gelegt. Ausgehend vom starken industriellen Kern sollten vor allem die Tätigkeiten in Engeneering, Management und Prozessgestaltung von der kreativen Idee bis zum kundengerechten qualitativ hochstehenden Endprodukt erweitert werden."
Für den "Kompass Wachsende Stadt" der Hamburger Sparkasse wurde die wirtschaftliche Entwicklung von 9.905 mittelständischen Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 1,0 bis 50 Millionen Euro in der Metropolregion Hamburg untersucht. Die Stichprobe umfasst 59,5 Prozent aller Firmen dieser Unternehmensgröße. Sie ist damit repräsentativ. Da nahezu 70 Prozent und damit der Großteil aller Arbeitnehmer im Mittelstand beschäftigt sind, wurden für die Studie ausschließlich mittelständische Betriebe untersucht. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform Hamburg stellte die Daten für die Studie bereit.
Die Studie "Kompass Wachsende Stadt" wurde in diesem Jahr zum zweiten Mal durchgeführt. Gegenüber Vorjahr wurden der nördliche Speckgürtel und Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 1 und 2,5 Mio. Euro in die Untersuchung einbezogen. Außerdem wurden 5.000 Unternehmen im vierten Quartal 2005 angeschrieben und um Auskunft über das Umsatzwachstum 2005 sowie über die Auftragslage zu geben. Die Studienreihe soll fortgesetzt werden.
In den Haspa-Mittelstandsindex fließen das Umsatzwachstum sowie die Auftragslage zu jeweils 30 Prozent ein. Die Bonität in 2004 und in 2005 gehen mit jeweils 20 Prozent ein. Hieraus wird eine Kennziffer gebildet, die die wirtschaftliche Entwicklung auf einer Skala von -2 (Wachstum, Auftragslage und Bonität sehr schlecht) bis +2 (Wachstum, Auftragslage und Bonität sehr gut) abbildet.
Hier können Sie sich die Studie herunterladen:
Studie "Kompass Wachsende Stadt" (Kurzversion) als PDF-Dokument (ca. 1,0 MB)
Studie "Kompass Wachsende Stadt" (Langversion) als PDF-Dokument (ca. 5,0 MB)


