Pressemeldungen 2008
Kapitalmarkt: Halbjahresausblick 2008
Konjunktur: weltweit abnehmende wirtschaftliche Dynamik
Belastungsfaktoren: anhaltend hohe Inflation und steigende Zinsen
Währungen: US-Dollar steht vor Erholung
Aktienmärkte: Ungünstige Rahmendaten schon weitgehend eingepreist, Aktienbewertung lukrativ
DAX-Bandbreite im 2. Halbjahr: zwischen 6.200 und 7.200 Punkten.
Allokation: Auf die Auswahl kommt es an: Breite Streuung, gezielte Investmentthemen wie Gold, Infrastruktur, Agrar-Rohstoffe
Aktien-Schwerpunkte: Seitwärtsstrukturen mit hinreichendem Puffer und gezieltes Trading. Defensive Ausrichtung mit Versorgern und Energie
Festverzinsliche Wertpapier: Zinsanstieg setzt sich moderat fort, attraktive Renditen bei zweijährigen Laufzeiten
Hamburg, 1. Juli 2008. Die Haspa Analysten erwarten nach einem enttäuschend verlaufenen 1. Halbjahr auch in den nächsten 6 Monaten ein angespanntes Geschehen an den Kapitalmärkten. Bernd Schimmer, Leiter des Bereichs Wertpapieranalyse bei der Haspa: Die Angst vor einem Kollaps des Weltfinanzsystems, die im Frühjahr stark verunsicherte, ist zwar aus den Köpfen. Aber andere Belastungsfaktoren wie die massiv gestiegenen Rohstoffpreise und die einbrechenden Gewinne im Bankensektor sind geblieben. Hinzu kommt jetzt die wachsende Sorge vor anhaltend hoher Inflation und steigenden Zinsen. Das schwächt die wirtschaftliche Dynamik am deutlichsten in der Euro-Zone und in den USA, eingeschränkt auch in den Emerging Markets, die aber von einer robusten wirtschaftlichen Eigendynamik profitieren. Angesichts unserer Kursziele für das Jahresende sind wir vorsichtig optimistisch für Aktien, stellen uns angesichts der überdurchschnittlichen Unsicherheiten aber betont defensiv auf. In dieser Phase wird die Auswahl der Investments ganz entscheidenden Einfluss auf das Ergebnis haben.
Ausgewählte Fundamentaldaten weisen aus Sicht der Haspa-Analysten darauf hin, dass das Börsenklima auch im zweiten Halbjahr eingetrübt bleibt. Ein nochmaliger starker Rückgang sei angesichts der derzeit niedrigen Unternehmens-Bewertungen nicht zu erwarten. Bernd Schimmer: Der Lichtblick ist, dass die negativen Daten schon weitgehend in den Kursen eingepreist sind. Aber auch das Aufwärtspotenzial ist begrenzt. Die Höchststände aus 2007 sind in diesem Jahr wohl außer Reichweite.
Zwar könne auf Basis der aktuellen Gewinnschätzungen der 30 im Leitindex DAX notierten Konzerne ein fairer Indexstand von 9.400 Punkten abgeleitet werden. Es sei aber damit zu rechnen, dass die Unternehmensgewinne bei einer sich fortsetzenden konjunkturellen Eintrübung zurückgehen. Die Haspa-Analysten legen vor diesem Hintergrund einen Sicherheitsabschlag von 25 Prozent zugrunde. Bernd Schimmer: Auf dieser Basis wären aus heutiger Sicht 7.000 Punkte im DAX zum Jahresende realistisch. Die Schwankungsbreite dürfte im zweiten Halbjahr zwischen 6.200 und 7.200 Punkten liegen.
Eine zentrale Rolle für die künftige Konjunkturentwicklung weltweit spiele die Politik der Notenbanken, heißt es im aktuellen Halbjahresausblick der Haspa-Wertpapieranalyse. Zurzeit werde die monetäre Wende eingeleitet. Die Inflationsgefahren würden deutlich stärker gewichtet als die Wachstumsrisiken. Damit deute sich eine Phase steigender Leitzinsen an. In der Eurozone, so meinen die Haspa-Analysten, seien Zinserhöhungen auch als Signal an die Tarifpartner zu verstehen, keine Zweitrundeneffekte (Lohn-Preis-Spirale) auszulösen. In den USA werden gegen Jahresende zwei kleine Zinsschritte auf 2,5 Prozent erwartet. Bernd Schimmer: Nach unserer Einschätzung wird es in der Eurozone keine Serie von Leitzinserhöhungen geben. Das würde die eingetrübten Wachstumsperspektiven weiter dämpfen.
Nahezu alle westlichen Industrienationen befinden sich bereits in der Abschwungphase. Am besten noch schlägt sich die deutsche Volkswirtschaft. Die Haspa-Analysten taxieren das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf Jahressicht mit 2,4 Prozent. Doch dieser Wert sei nur aufgrund des extrem starken 1. Quartals mit einem Plus von 1,5 Prozent erreichbar. Das Wachstum in der gesamten Eurozone wird mit 1,7 Prozent deutlich niedriger prognostiziert. Die US-Wirtschaft hielte sich besser als erwartet, sei aber mit einem erwarteten Jahreswachstum von 1,3 Prozent weit von ihrer früheren Dynamik entfernt.
Deutlich höhere, wenn auch leicht abgeschwächte Wachstumsraten seien in den Emerging Markets zu erwarten. Die Volkswirtschaften Chinas, Indiens, Russlands und Brasiliens verfügen mittlerweile über eine robuste wirtschaftliche Eigendynamik. Bernd Schimmer: Sie sind aber noch weit davon entfernt, die Rolle einer Wachstumslokomotive zu übernehmen, wie die USA sie über viele Jahre gespielt haben. Insofern wird die Weltkonjunktur erst dann wieder richtig Fahrt aufnehmen, wenn die Amerikaner die Hypothekenkrise ausgestanden haben und zur alten Wachstumsdynamik zurückfinden. 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Amerika beruhen auf dem privaten Konsum. Das sagt alles über die Bedeutung der derzeitigen Krise.
Auch die europäische Wirtschaft leidet unter der Kaufzurückhaltung der privaten Haushalte. Vor allem die hohen Preissteigerungsraten dämpfen das Konsumklima. Hauptbelastungsfaktoren sind die steigenden Energie- und Nahrungsmittelpreise. Aus Sicht der Haspa-Analysten besteht wenig Hoffnung, dass die Rohstoffpreise in den nächsten Monaten signifikant sinken. Die Schwankungsbreite beim Preis für ein Barrel Nordseeöl (Brent) wird auf 85 bis 135 US-Dollar taxiert. Bernd Schimmer: Diese Prognose ist mit den größten Unsicherheiten behaftet, weil viele Einflussfaktoren zusammenkommen: politische, wirtschaftliche und spekulative. Wir unterstellen bei unserer Prognose, dass sich im Nahen Osten nicht weitere akute Krisen anbahnen. Das immer lauter werdende Säbelrasseln zwischen Israel und dem Iran ist auch für die internationalen Ölmärkte kein gutes Signal.
Entspannung signalisiert der Halbjahresausblick an der Währungsfront. Die Schwächephase des US-Dollar dürfte nach Meinung der Haspa-Analysten in der Endphase sein. Zum Jahresende halten sie einen Wechselkurs zum Euro von 1,50 US-Dollar für realistisch, im ersten Halbjahr 2009 rechnen sie mit einer Spanne zwischen 1,45 und 1,50 US-Dollar. Der Grund für diese Annahme sind die sich angleichenden Wachstumsraten und die mittelfristig zu erwartenden Erhöhungen der US-Leitzinsen. Ein Szenario, das aus europäischer Sicht positive und negative Auswirkungen hat. Ein stärkerer US-Dollar würde zwar Exporte in die USA stimulieren, aber Importe nach Europa verteuern. Vor allem die Ölrechnung würde noch höher ausfallen, weil Rohöl traditionell in US-Dollar fakturiert wird.
Anlagestrategie im 2. Halbjahr 2008
Aktien
Vor dem skizzierten Hintergrund, der von vielen Unsicherheitsfaktoren geprägt ist, sollten Investments breit gestreut und tendenziell defensiv ausgerichtet sein. Die Haspa-Analysten raten insbesondere zu themenorientierten Anlagen. Favorisiert werden derzeit Bereiche wie Infrastruktur und Agrar-Rohstoffe. Bei europäischen Aktien werden defensive Branchen wie Versorger und Energiewirtschaft bevorzugt. Grundsätzlich positiv sind wir für exportstarke US-Titel. Bei nachhaltiger Erholung des Dollarkurses winken hier zusätzlich Währungsgewinne. Im Hinblick auf die erwartete große Schwankungsbreite der Märkte in den nächsten Monaten können sich auch gezielte Trading-Operationen lohnen. Einen Schwerpunkt der Anlagen bilden Zertifikate, die von einer Seitwärtsentwicklung profitieren. Hier ist auf einen hinreichenden Sicherheitspuffer zu achten. Auch Gold bleibt in unsicherer Zeiten ein Thema (als Depotbeimischung). Grundsätzlich gilt: Sollte die prognostizierte Schwankungsbreite des deutschen Leitindex DAX zwischen 6.200 und 7.200 Punkten nach oben oder unten durchbrochen werden, wäre dies grundsätzlich als Kauf-, beziehungsweise als Verkaufssignal zu interpretieren.
Rentenmarkt
Am Rentenmarkt stehen die Ampeln mittlerweile wieder auf Gelb. Vor allem bei langen Laufzeiten droht wegen der erwarteten Zinssteigerungen die Gefahr von Kursverlusten. Andererseits winken bei Anleihen von ausgewählten Emittenten mit hoher Bonität wieder mehr als 5 Prozent Bruttorendite. Besonders attraktiv allerdings sind Anleihen mit ein- bis zweijähriger Laufzeit.
Abgeltungssteuer
Darüber hinaus sollten Anleger darauf achten, ihre Kapitalanlagen rechtzeitig auf die neuen steuerlichen Rahmenbedingungen auszurichten. Mit Start der Abgeltungssteuer im Januar 2009 werden die meisten Kapitaleinkünfte einheitlich mit 25 Prozent zzgl. Soli und Kirchensteuer besteuert.



