Sie sind hier:

Pressemeldungen

 

Kapitalmarkt: Halbjahresausblick 2009


  • Konjunktur: Stabilisierung bis Ende 2009 auf sehr niedrigem Niveau.Für 2010 wird nur ein niedriges Wachstumstempo erwartet
  • Preisentwicklung: Deflationsbefürchtungen ebben zum Jahresende ab; mittelfristig sind höhere Inflationsraten zu erwarten
  • Zinsen und Geldpolitik: Zinsanhebungen sind erst bei einer nachhaltigen Konjunkturbelebung im Laufe des Jahres 2010 zu erwarten
  • Anlagestrategie: Aktienquote bei nachhaltiger Konjunkturbelebung bzw. bei Kursschwächen erhöhen
  • Vermögensaufteilung: stärkere Fokussierung auf Sachwerte

Hamburg, 30. Juni 2009 Die schärfste Rezession der Nachkriegszeit wird auch in den nächsten Monaten noch zu erheblichen Schwankungen auf den Kapitalmärkten führen so die Prognose der Haspa-Analysten in ihrem Ausblick auf die Kapitalmarktentwicklung im zweiten Halbjahr 2009. Der Konjunkturpessimismus aus dem ersten Quartal des Jahres sei zwar mittlerweile gewichen. Frühindikatoren sprächen für eine Stabilisierung der konjunkturellen Lage. Aber für allzu viel Optimismus sei es noch zu früh. Bernd Schimmer, Leiter der Wertpapieranalyse der Haspa: Die Konjunktur wird sich nur langsam erholen, die Lage bleibt schwierig. Zwischen dem, was die Unternehmen berichten, und dem, was die Aktienbörsen signalisieren, liegen noch große Unterschiede. Die Börsen haben in den letzten drei Monaten bereits eine konjunkturelle Belebung, einhergehend mit steigenden Unternehmensgewinnen,  eingepreist. Das birgt noch Rückschlaggefahren. Wir rechnen damit, dass der DAX zum Jahresende das bisher erreichte Niveau von rund 5.000 Punkten kaum überschreiten kann und halten zwischenzeitliche Rücksetzer auf bis zu 4.200 Punkte für realistisch. Erst mit einer nachhaltigen Konjunkturbelebung und einer fundamental begründeten Aussicht auf wieder steigende Unternehmensgewinne wird es eine echte Trendwende an den Aktienmärkten geben.

 

Diese Trendwende sei erst im Laufe des nächsten Jahres zu erwarten. Und auch dann sei kaum damit zu rechnen, dass Konjunktur und Aktienmärkte einen V-förmigen Aufschwung nähmen wie nach früheren Rezessionsphasen. Bernd Schimmer: Die Erholung wird eher L-förmig verlaufen, also dem steilen Absturz wird nur ein sehr langsamer und flacher Anstieg folgen.

 

Anstieg Frühindikatoren nicht übergewichten

Bernd Schimmer: Nach einem normalen Konjunkturabschwung war die mehrmalige Verbesserung von Frühindikatoren ein zuverlässiges Signal für einen beginnenden Aufschwung. Da Finanzmärkte Entwicklungen vorweg nehmen, sind dies in der Regel gute Einstiegschancen, die mit signifikanten Kursgewinnen belohnt werden. In der jetzigen Situation ist es allerdings fraglich, dass sich das wiederholt. 

Dagegen sprechen zwei schwerwiegende Umstände: 

  • Erstens ist das für die Belebung der konjunkturellen Kräfte notwendige Finanzsystem nach wie vor noch stark angeschlagen, so dass die Kreditversorgung nur sehr schleppend funktioniert. Zudem ist davon auszugehen, dass auf die Banken neuerliche Belastungen aufgrund von zunehmenden Kreditausfällen zukommen. Dies dürfte bei den Kreditinstituten zu einer restriktiven Geschäftspolitik und vorsichtigen Kreditvergaben führen und somit der Konjunktur den Schmierstoff Kredit versagen. 
  • Zweitens ist der Rückgang der Auftragseingänge bei den Unternehmen, die eine zyklische Ausrichtung haben, so scharf, dass die Kapazitäten entweder noch gar nicht oder zu zaghaft angepasst wurden. Die Folge sind weg brechende Erlöse und weitgehend unveränderte Kostenstrukturen.

 Bernd Schimmer: Da wir nicht von einer schnellen Erholung der Weltkonjunktur, sondern eher von einem länger andauernden Strukturwandel ausgehen, dürfte die nachhaltige Erholung der Unternehmensgewinne erst im Jahr 2011 einsetzen. Vor diesem Hintergrund ist die Grundlage für den wieder höheren Risikoappetit der Investoren zwar grundsätzlich gerechtfertigt, nur scheint der Finanzmarkt in der aktuellen Situation deutlich zu weit vorweg geeilt zu sein. Für die nächsten Wochen erwarten wir daher eine Rückbesinnung auf die Ist-Situation und eine wieder defensivere Ausrichtung der Investoren. Auf Grundlage unserer fundamentalen Einschätzung erscheint ein Rücksetzer in Richtung 4.200 DAX-Punkte realistisch. Dies dürfte begleitet werden von sinkenden Kapitalmarktzinsen und niedrigen Rohstoffpreisen. Zum Jahresende sollte sich der DAX in etwa auf dem Niveau von heute, also bei rund 5.000 Punkten bewegen. Ein signifikanter Ausbruch nach oben ist erst dann zu erwarten, wenn die Konjunktur nachhaltig anzieht, und wenn es begründete Aussichten auf wieder steigende Unternehmensgewinne gibt.

 

Deflationsgefahr gering mittelfristig ist eher eine höhere Inflation zu erwarten

Aktuelle Befürchtungen, dass westliche Volkswirtschaften in eine Deflation mit anhaltend sinkenden Preisen hineinlaufen, teilt Volkswirt Intelmann nicht. Die Gefahr ist gering. In den nächsten Monaten könnte vor der Inflationsrate zwar ein Minuszeichen stehen. Aber das ist vor allem den extremen Preisschwankungen bei Energie und Lebensmitteln geschuldet. Bereinigt man die Inflationsrate um diese beiden Positionen, liegt die Kernrate nach wie vor bei 2 Prozent. Hinzu kommt, dass staatliche Konjunkturprogramme und Steuerentlastungen die Nachfrage stimulieren. Auch die massive Ausweitung der Geldmenge wirkt anti-deflationär. Mittel- und langfristig rechnen wir wegen der enormen Ausweitung der Staatsverschuldung und des Geldmengenwachstums eher mit höheren Preissteigerungsraten, die deutlich über das Notenbankziel von 2 Prozent hinausgehen.

 

Anlagestrategie: Stärkere Fokussierung auf Sachwerte

Auch vor diesem Hintergrund spricht vieles für ein Comeback der Sachwerte. Im Zuge starker Turbulenzen und hoher Verunsicherung hat sich die Depotstruktur vieler Investoren in den vergangenen Quartalen stark verändert. Risikobehaftete Anlagen wie Aktien und Unternehmensanleihen wurden gemieden, sichere Anlagen mit hoher Liquidität bevorzugt.

Diese im Zuge der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise durchaus nachvollziehbare Vermögensaufteilung sollte einer Prüfung unterzogen werden.

Sollten sich in den kommenden Monaten die Anzeichen einer konjunkturellen Stabilisierung weiter verdichten, dürfte dieser Prozess zumindest teilweise korrigiert werden, zumal sich an den globalen Megatrends trotz Wirtschafts- und Finanzkrise nichts Wesentliches ändern wird. Die Nachfrage nach Rohstoffen, Lebensmitteln und Energie wird langfristig, getrieben von den großen Schwellenländern wie China, weiter steigen. Die Palette der Anlagemöglichkeiten in Sachwerte reicht von Aktien und Rohstoffen wie Gold über Immobilien bis hin zu mobilen Sachwerten wie Schiffen und Flugzeugen. Sachwerte haben praktisch einen eingebauten Inflationsschutz. Von daher könnten sie gerade in den nächsten Jahren ein stabilisierendes Element in der Vermögens-Allokation sein.

 

Aktienquote bei günstigem Konjunkturverlauf erhöhen

Aktuell bleibt das Umfeld für Kapitalanlagen sehr herausfordernd. Vor diesem Hintergrund starten die Analysten der Haspa mit einer betont vorsichtigen Aktienquote in das zweite Halbjahr. Im weiteren Jahresverlauf sollten die Unternehmen mehr und mehr Klarheit über ihre Aussichten in 2010 gewinnen und dementsprechend ihre Kapazitäten anpassen. In Verbindung mit einer Belebung des Welthandels sollte sich dies in wieder steigenden Unternehmensgewinnen in 2010 und nachhaltig in 2011 ausdrücken. Die Aktienmärkte dürften dies mit einem Vorlauf von rund einem Jahr vorwegnehmen.

Unter der Annahme, dass dieses Szenario weitgehend so eintritt, nutzen die Analysten  zurückgehende Aktiennotierungen für einen sukzessiven Ausbau der Aktienquote. Besonders interessant erscheinen ihnen in dem nach wie vor ausgesprochen unsicheren Umfeld Anlagen mit günstigem Risiko-/Ertragsprofil wie Diskontzertifikate, Aktienanleihen oder auch Wandelanleihefonds. Als lukrative Beimischung im Segment der Aktien halten sie ihre Positionierung bei Emerging Markets und Nahrungsmitteln aufrecht. Darüber hinaus sollte das Umfeld gute Trading-Möglichkeiten bieten.

Da die Haspa-Analysten mittelfristig eher von einem inflationären denn von einem deflationären Umfeld ausgehen, legen sie einen weiteren Akzent auf das Thema Substanz bzw. Sachwerte. Entsprechend der individuellen Risikoeinstellung und Fristigkeit der Anlagen zählen sie Aktien mit hoher Qualität und Substanz sowie Gold zu den liquiden Bestandteilen eines Wertpapierportfolios. Bei einer ganzheitlichen Vermögensallokation kommen Immobilien und weitere Sachwerte hinzu.

 

Bei Anleihen mittlere Laufzeiten wählen 

Bei den festverzinslichen Anleihen nutzen die Haspa-Analysten den höheren Kupon im drei- bis fünfjährigen Laufzeitbereich. Das heißt, bei einer geringen Liquiditätsquote sind sie möglichst voll engagiert. Eine deutliche Ausweitung der Laufzeiten spricht allerdings gegen ihre Erwartung mittelfristig steigender Zinsen. Trotz der im Vergleich zum Jahreswechsel etwas geringeren Attraktivität bei Unternehmensanleihen bleibt das Segment aufgrund der immer noch hohen Zinsaufschläge interessant. Unberücksichtigt bleiben weiterhin aufgrund der nach wie vor hohen Risiken Anleihen niedriger Qualität aus dem sogenannten High-Yield-Sektor.

 
 

 

Service-Navigation:



Login Online Services

Direktzugriff