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Thema: Kapitalmarktausblick 2010

Hamburg, 09.12.2009 - Weltweit wieder wachsende Volkswirtschaften, leicht anziehende Verbraucherpreise, historisch niedrige Leitzinsen und eine hohe Liquiditätsquote.

 

Mit diesem Ausblick verbinden die Haspa-Analysten die Erwartung, dass 2010 ein gutes Aktienjahr werden sollte. Bernd Schimmer, Leiter der Kapitalmarktanalyse der Hamburger Sparkasse: Deutschland kommt besser aus der Rezession als befürchtet. Bei den für 2010 erwarteten Unternehmensgewinnen gehen wir von einer niedrigen Basis kommend für die 30 im DAX notierten Unternehmen von einem Anstieg von rund 25 Prozent aus. Vor diesem Hintergrund lässt sich für das kommende Jahr beim DAX je nach Berechnungsmethode ein fairer Wert zwischen 6.000 und 6.600 Indexpunkten errechnen. Bei einem anhaltend positiven Konjunkturverlauf und den Blick auf die Unternehmensgewinne 2011 gerichtet, sehen wir den DAX zum Ende des nächsten Jahres sogar im Bereich von 7.000 Punkten. Vor diesem Hintergrund sind wir optimistisch für Aktien und starten mit einer hohen Aktienquote ins neue Jahr. Wir raten den Anlegern allerdings, mehr denn je auf eine ausgewogene Vermögensaufteilung zu achten. Trotz aller Zuversicht für Aktien ist die Ausgangslage noch fragil. Unvorhersehbare Ereignisse und Enttäuschungen in der Dynamik der konjunkturellen Erholung können im späteren ersten Halbjahr zu Konsolidierungsdruck bei Aktienanlagen führen. 

Die Projektionen basieren auf folgenden Einschätzungen und Erwartungen:

  • Konjunktur: Der wirtschaftliche Aufschwung wird sich nach der kürzesten und heftigsten Rezession der Nachkriegszeit im moderaten Tempo fortsetzen. Für Deutschland wird im Jahresverlauf trotz leicht rückläufigen privaten Verbrauchs und voraussichtlich stagnierender Investitionen ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1 bis 1,5 Prozent erwartet, für die USA 1,5 Prozent und für die Weltwirtschaft insgesamt 2 Prozent. 
  • Preisentwicklung: Bei einem Aufschwung in kleinen Schritten in Europa und Nordamerika sollten sich die Inflationsrisiken noch in Grenzen halten. In Deutschland und in der Eurozone wird ein Anstieg der Verbraucherpreise um rund 1,5 Prozent erwartet, in den USA um rund 2 Prozent. 
  • Zinsen und Geldpolitik: Zinsanhebungen sind erst spät in der zweiten Jahreshälfte zu erwarten. Die Notenbanken stehen vor dem Drahtseilakt, die ausufernde Liquidität aus den Märkten zu nehmen, ohne die konjunkturelle Erholung abzuwürgen. 
  • Währungen: Der Euro wird zunächst an seinen jüngsten Höhenflug anknüpfen und sich im 1. Halbjahr zwischen 1,50 bis 1,60 US-Dollar bewegen, im zweiten Halbjahr könnte der US-Dollar stärker werden (1,40 bis 1,50). 
  • Rohöl: Bei einer moderaten konjunkturellen Erholung sind 2010 keine  außerordentlichen Preisausschläge nach oben oder unten zu erwarten. Der Preis pro Barrel sollte sich im Korridor zwischen 60 und 80 US-Dollar bewegen. 

Mehr denn je kommt es auf das Handeln der Notenbanken an 

Trotz des insgesamt positiven Ausblicks halten die Haspa-Analysten die schärfste Wirtschafts- und Finanzkrise der Nachkriegszeit nicht für überwunden. Die milliardenschweren Konjunkturprogramme für die Wirtschaft, die gigantischen Schutzschirme für krisengebeutelte Großbanken und die extreme Ausweitung der Geldmenge sind  Notoperationen mit unliebsamen Risiken und Nebenwirkungen allen voran die damit verbundenen mittelfristigen Inflationsgefahren und die Ängste vor neuerlichen Exzessen an den Finanz- und Rohstoffmärkten. 

Eine zentrale Rolle bei der Krisenbewältigung kommt deshalb im nächsten Jahr den internationalen Notenbanken zu. Bernd Schimmer: Ob diese Operationen wirklich gelungen sind, wird sich erst zeigen, wenn die künstliche Beatmung aufhört und das billige Geld wieder eingesammelt ist. Die Kunst wird es sein, schrittweise die ausufernde Liquidität aus den Märkten zu nehmen, ohne die konjunkturelle Erholung zu gefährden. 

Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass die Europäische Zentralbank EZB die Zinswende erst im zweiten Halbjahr vornehmen wird. Die Haspa-Analysten erwarten maßvolle Leitzins-Anhebungen auf maximal 1,5 Prozent bis zum Jahresende. Haspa-Chefvolkswirt Jochen Intelmann: Da der Interbankenhandel mittlerweile wieder in Gang gekommen ist, wird die EZB Schritt für Schritt wieder zur Normalität zurückkehren und bei der Geldmengensteuerung restriktiver verfahren. Insofern sollten auch die Geldmarktsätze 2010 sukzessive anziehen. Die Renditen der 10-jährigen Bundesanleihen werden nach unserer Projektion im Jahresverlauf auf bis zu 4 Prozent ansteigen. 

Orientierungsmarken für die Anlagestrategie im Jahr 2010 

Zu den Folgewirkungen der Finanzkrise dürfte auch ein weltweiter Strukturwandel gehören, denn die stark gestiegene Staatsverschuldung in den etablierten Industrienationen engt deren Handlungsspielräume ein und dämpft das Wachstumspotenzial. Bernd Schimmer: Das wird mittel- bis langfristig zu einem Anpassungsprozess führen, in dessen Rahmen sich die relativen Gewichte verschieben - zu Lasten der hoch verschuldeten Industriestaaten und zu Gunsten der aufstrebenden Länder, den so genannten Emerging Markets. 

Unter regionalen Aspekten liegt der Fokus neben Europa und Deutschland verstärkt auf den Emerging Markets, die angesichts geringer Staatsverschuldung und zunehmender Kaufkraft breiter Bevölkerungsschichten Gewinner des globalen Strukturwandels sein werden und deren Aktienmärkte entsprechendes Kurspotential aufweisen. Unser besonderes Augenmerk richtet sich dabei auf konsumorientierte Konzerne. 

Vor dem Hintergrund der immer noch fragilen Gesamtsituation wäre es allerdings fahrlässig, das Vermögen auf nur eine Anlageklasse auszurichten. Das gilt auch für festverzinsliche Wertpapiere und liquiditätsnahe Anlagen, die derzeit stark bevorzugt werden auf Kosten der Rendite. Entscheidend ist eine ausgewogene Vermögensaufteilung. 

Bei Anleihen liegt der Fokus aktuell auf mittleren Laufzeiten um vier Jahre. Die Empfehlung lautet, zu etwa gleichen Teilen in drei Segmente zu investieren: erstens in Pfandbriefe und europäische Staatsanleihen, zweitens in Unternehmensanleihen und drittens in Produkte, die auf ein besonderes Thema, wie etwa Inflation, einzahlen. 

Anlagethemen, die über das nächste Jahr hinausreichen 

Neben der regionalen Ausrichtung fokussieren sich die Haspa-Analysten im Rahmen der Anlagestrategie 2010 auf Investmentthemen mit strategischer Bedeutung. Dabei dürfte das Thema Energieeffizienz weltweit an Relevanz gewinnen. Denn die zunehmende Industrialisierung und Urbanisierung der Schwellenländer beschleunigt nicht nur den Verbrauch an natürlichen Ressourcen und fossiler Energievorkommen, sondern stellt auch höhere Anforderungen an die Effizienz von Prozessen und lässt das Umweltbewusstsein steigen. Von diesen neuen Herausforderungen profitieren insbesondere Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien und Firmen, die dezentrale Energiesysteme entwickeln und anbieten. 

Ein weiteres aussichtsreiches Thema stellen die sogenannten Trendsetter dar. Darunter verstehen die Analysten der Haspa Unternehmen, die sich aufgrund ihres Geschäftsmodells und ihrer Produkte weltweit eine einzigartige Marktposition erarbeitet haben und dabei nicht nur ökonomische und technologische, sondern auch gesellschaftspolitische Akzente setzen. Beispiele sind die amerikanischen Technologiekonzerne Apple, Microsoft und Google, die über detaillierte Kenntnisse des Verbraucherverhaltens verfügen und sich diese für die Weiterentwicklung ihrer Geschäftsmodelle zunutze machen.

 
 

 

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