Pressemeldungen - Studie: Der industrielle Sektor
Haspa Studie: Wissensintensive Industrien führen Norddeutschland erfolgreich durch den Strukturwandel
Industrielle Beschäftigung in Norddeutschland ist rückläufig
Verarbeitende Wissenswirtschaft schafft neue Arbeitsplätze
Ballungsräume profitieren von Fachkräftekonzentration
Fahrzeug- , Maschinenbau und Ernährungsgewerbe bilden stärkste Cluster
Hamburg, 18. Juni 2009 Die weitere Spezialisierung der norddeutschen Bundesländer auf wissensintensive Industrien ist eine wichtige Voraussetzung, um im Wettbewerb der Standorte für das Verarbeitende Gewerbe erfolgreich zu sein. Dies betrifft gleichermaßen Unternehmen in den Agglomerationen Norddeutschlands sowie in ländlichen Regionen, so die heute vorgestellte Studie Wohlstandsbasis oder Störfaktor Der industrielle Sektor in Norddeutschland, die das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) im Auftrag der Hamburger Sparkasse (Haspa) erstellt hat. Die Studie analysiert die generellen Standortbedingungen für das Verarbeitende Gewerbe in Norddeutschland und zeigt dessen längerfristige Zukunftsaussichten. Die Betrachtung des norddeutschen Wirtschaftsraums umfasst die Bundesländer Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.
Die norddeutschen Bundesländer, ebenso wie Deutschland insgesamt, sind von einem strukturellen Wandel der industriellen Landschaft betroffen. Dieser resultiert unter anderem aus der sich verändernden internationalen Arbeitsteilung und steigenden Anforderungen an die technologische Leistungsfähigkeit. Insgesamt ist die Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe in Norddeutschland seit 1999 um etwas mehr als ein Zehntel zurückgegangen. Neben diesem Rückgang steigt allerdings in Norddeutschland die relative Bedeutung wissensintensiver Sparten des Verarbeitenden Gewerbes kontinuierlich. Der Beitrag dieser Wirtschaftszweige zu denen beispielsweise die chemische Industrie, der Fahrzeugbau, die Medizintechnik und der Maschinenbau zählen zu den Umsätzen und der Bruttowertschöpfung norddeutschen Unternehmen nimmt zu. Dies zeigt das Beispiel Hamburg deutlich. Hier konnten diese Wirtschaftszweige im Zeitraum von 1999 bis 2007 Beschäftigungszuwächse von 7 % realisieren.
Die Rahmenbedingungen für die Entwicklung des Verarbeitenden Gewerbes differieren in Norddeutschland regional erheblich. Es sind gerade die Agglomerationen, die attraktive Standorte für expandierende wissensintensive Dienstleistungsunternehmen und forschungsintensive Industrien bieten. Bildungsinstitutionen sind in Städten konzentriert, und Unternehmen finden hier ein vielfältiges Arbeitskräfteangebot sowie einen diversifizierten Dienstleistungssektor, der Leistungen für das Verarbeitende Gewerbe erbringt. Hamburg weist dabei den höchsten Anteil von wissensintensiven Industrien am Verarbeitenden Gewerbe auf, der in der jüngeren Vergangenheit zudem stärker als in den anderen norddeutschen Bundesländern zugenommen hat. Insgesamt haben die norddeutschen Städte hinsichtlich des wissensbasierten Strukturwandels die Nase deutlich vorn. Von ihrer tragenden Rolle für den wissensbasierten Strukturwandel können aber auch Standorte abseits der boomenden Zentren profitieren.
Die Strukturen für die Realisierung von Clusterpotenzialen sind in Norddeutschland gegeben. Räumliche Schwerpunkte hinsichtlich des Bedeutungszuwachses wissensintensiver Industrien zeigen sich insbesondere im Großraum Kiel in Schleswig-Holstein, in der Metropolregion Hamburg und im Umkreis von Bremen und Hannover. Hingegen verläuft dieser Strukturwandel im Durchschnitt in den peripheren Regionen Norddeutschlands weniger dynamisch. Spezialisierungsvorteile sind insbesondere im Fahrzeugbau (rund 200.000 Beschäftigte) und im Maschinenbau (rund 120.000 Beschäftigte) zu verzeichnen. Aber auch das Ernährungsgewerbe ist in Norddeutschland mit über 130.000 Beschäftigten traditionell ein relativ stabiler Wirtschaftszweig.
Insgesamt ist es ein Bündel von Standortfaktoren, welches die Zukunft Norddeutschlands als Standort für das Verarbeitende Gewerbe beeinflusst. Unabhängig von unternehmensspezifischen Besonderheiten ist die Verfügbarkeit von Fachkräften von hoher Relevanz für zukünftigen unternehmerischen Erfolg. Wissen ist auch für das Verarbeitende Gewerbe der Rohstoff der Zukunft, konstatiert Prof. Dr. Thomas Straubhaar, Direktor des HWWI. Deshalb ist die Erhöhung des Qualifikationsniveaus der Bevölkerung in Norddeutschland ein zentrales politisches Handlungsfeld, so Straubhaar. Einen wichtigen Beitrag hierzu kann die qualitative Entwicklung der öffentlichen Bildungs- und Forschungseinrichtungen leisten. Ein leistungsfähiges Bildungssystem, das der wachsenden Vielfalt von Erwerbsbiografien ebenso wie wirtschaftsstrukturellen Veränderungen Rechnung trägt, gewinnt angesichts des demografischen Wandels weiter an Bedeutung, so Straubhaar. Hierbei sollte die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung ein wichtiges Ziel hinsichtlich der Reduzierung des Fachkräftemangels sein.
Auftraggeber der Studie ist das Kompetenz-Center Industrie der Hamburger Sparkasse, das sich für die speziellen Anforderungen des Sektors in der Metropolregion aufgestellt hat. Gerade in Zeiten erschwerter Finanzierungsbedingungen ist bankseitig ein hohes Branchenverständnis gefordert, erklärt Firmenkundenvorstand Frank Brockmann. Das produzierende und verarbeitende Gewerbe hat in der Regel einen hohen, teils antizyklisch verlaufenden Finanzierungsbedarf. Der Bankpartner sollte daher ein hohes Verständnis der gesamten Wertschöpfungskette haben. Die Haspa will ihrer Rolle als wichtigster Kreditgeber der Region nachkommen und sicherstellen, dass anstehende Investitionen nicht in die Kreditklemme geraten.



